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AULA KLASSIK 2: CHARLOTTE THIELE SPIELT MOZART – DIRIGENT DANIEL SPAW MIT VAUGHAN WILLIAMS

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) Violinkonzert Nr. 3 G-Dur KV 216 - »Straßburger Konzert«

Ralph Vaughan Williams (1872-1958) Symphonie Nr. 5 D-Dur


Daniel Spaw Dirigent

Charlotte Thiele Violine

Göttinger Symphonieorchester


Wolfgang Amadeus Mozarts jugendbewegtes drittes Violinkonzert und Ralph Vaughan Williams‘ altersweise fünfte Symphonie stehen auf dem Programm von »Aula Klassik 2« des Göttinger Symphonieorchesters. Die Leitung hat Daniel Spaw, Generalmusikdirektor und Künstlerischer Leiter der Bad Reichenhaller Philharmoniker. Den Solopart bei Mozart übernimmt die Violinistin Charlotte Thiele. Gleich zwei Gelegenheiten zum Konzertbesuch gibt es: am Samstag, 12. März, um 19.45 Uhr und am Sonntag, 13. März, um 17 Uhr, jeweils in der Lokhalle Göttingen. (Das eigentlich für 10. und 11. Februar geplante Konzert wurde verlegt und im Programm geändert.)

Tickets sind auf der Homepage des GSO unter www.gso-online.de sowie an allen bekannten VVK-Stellen erhältlich.


Es gibt wohl keine Kunst, die vom biologischen Alter unabhängiger ist als die klassische Musik. Der US-amerikanische Dirigent Daniel Spaw ist Mitte 30 und seit Ende 2020 Generalmusikdirektor und Künstlerischer Leiter der Bad Reichenhaller Philharmoniker. Und die Violinistin Charlotte Thiele wurde gar erst im Jahr 2000 geboren, spielte aber mit Orchestern wie dem MDR-Sinfonieorchester, der Staatsoperette Dresden oder der Anhaltischen Philharmonie Dessau und erhielt Preise von der Deutschen Stiftung Musikleben und einen ersten Preis bei dem Wettbewerb der Ostdeutschen Sparkassenstiftung. Ihr Geigenspiel, dafür liefert der heutige Abend erneut Beweise, ist ebenso über jeden Zweifel erhaben wie die musikalischen Führungsqualitäten Daniel Spaws.

Wolfgang Amadeus Mozarts Violinkonzerte sind zum überwiegenden Teil Jugendwerke; bis auf das letzte entstanden sie in seinen Zehner-Lebensjahren. Allein 1775 schrieb er fünf Werke dieser Gattung, darunter das G-Dur-Konzert. Es war eine unbeschwerte Zeit für den jungen Star, den die europäische Musikwelt bereits gut kennen gelernt hatte, und dies hört man der Komposition auch an: Eine heitere Gelegenheitsarbeit für den eigenen Gebrauch. Doch bei Mozart klingt ja trotz seiner üppigen und raschen Produktionsweise kaum ein Werk wie nebenbei entstanden, so ausgewogen in der Anlage, so spritzig und so berückend im Einfallsreichtum sind sie. Über dieses dritte Violinkonzert und den künstlerischen Sprung, den Mozart im Vergleich zum zweiten gemacht hatte, sagte der Musikwissenschaftler Alfred Einstein treffend: »Wenn es ein Wunder in Mozarts Schaffen gibt, so ist es die Entstehung dieses Konzerts.«

Der hierzulande mitunter etwas vernachlässigte Brite Ralph Vaughan Williams, dem historisch gesehen die nicht leichte Aufgabe zukam, sich zwischen Edward Elgar und Benjamin Britten zu behaupten, schrieb seine fünfte Symphonie in seinen späten Sechzigern – hauptsächlich in den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs. Zunächst fällt auf, dass Vaughan Williams modale Harmonik als Basis wählt. Das hat mit Dur und Moll nicht viel zu tun und wirkt auf uns deshalb so archaisch, so »alt«. Zudem steht Vaughan Williams mit den breiten Streicherflächen und den sich sehr behutsam auftürmenden Klangmassen erkennbar in der Tradition Jean Sibelius‘ (dem das Werk gewidmet ist).

Vielleicht ist man versucht zu glauben, diese Komposition könnte auch das Experiment eines noch jungen Tonkünstlers sein, der auf Vergangenes zurückgreift, um daraus Neues zu erschaffen. Doch die Entstehungszeit lässt aufhorchen: Könnte diesen mitunter leisen, aber tiefen Schmerz, der oft in eine Art religiöse Anrufung mündet, tatsächlich auch ein Junger ausdrücken? Die Antwort muss vermutlich offenbleiben. Doch beeindruckt die (möglicherweise »lebenskluge«) Wärme, die viele Passagen verströmen. Der Satz »Romanza« steht als eigentlicher langsamer Satz spürbar im Zentrum des Werks: Dessen verhalten-cantable Schönheit (nicht oft ist dieses Wort in der Musik so angemessen wie hier) atmet den Geist einer Spiritualität, den vielleicht doch nur das fortgeschrittene Alter so auszudrücken vermag. Bis Ende der 1950er-Jahre schrieb Vaughan Williams noch vier weitere Symphonien und landete somit – genauso wie etwa Beethoven, Bruckner und Mahler – bei neun vollendeten Werken dieser Gattung.

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