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»AULA KLASSIK 3«:ERFRISCHENDES VON SHAW, STRAUSS UND MENDELSSOHN

Caroline Shaw (*1982) Entr´acte

Richard Strauss (1864-1949) Oboenkonzert D-Dur

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) Symphonie Nr. 1 c-Moll op. 11


Nuno Coelho Dirigent

Tiago Coimbra Oboe

Göttinger Symphonieorchester



Anderer Ort, aber nahezu gleiches, erfrischendes, zum Teil jugendliches Programm: Das GSO-Konzert »Aula Klassik 3« am Donnerstag und Freitag, 31. März und 1. April 2022, findet jeweils um 19:45 Uhr nun in der Lokhalle Göttingen statt. Die Leitung hat der 1989 in Porto geborene Dirigent Nuno Coelho, Gewinner des Internationalen Dirigentenwettbewerbs Cadaqués 2017 und derzeit Gastdirigent des Orquestra Gulbenkian in Lissabon. Er hat ein Programm mitgebracht, das auch in diesen bewegten Zeiten Spaß macht: Caroline Shaws »Entr´acte«, Mendelssohns erste Symphonie und Richard Strauss‘ Oboenkonzert – in welchem der GSO-Oboist Tiago Coimbra den Solopart übernimmt!

Tickets sind auf der Homepage des GSO unter www.gso-online.de sowie an allen bekannten VVK-Stellen erhältlich.


Auch in bewegten Zeiten darf, ja muss Musik Spaß machen. Dass klassische Musik keineswegs so staubig ist, wie manches Vorurteil uns weißmachen will, beweist das Konzert »Aula Klassik 3« an zwei Abenden mit feinsten, heitersten, luftigsten Mitteln. Die Werke atmen den Geist der Jugend, sorgen für nostalgische Idyllen und vergessen doch nicht, vor welchem Hintergrund sie entstanden.


Den Anfang macht ein Streichorchester, also eine Formation, die bereits aufgrund ihrer Zusammensetzung für eine moderate (nicht zu tiefe, nicht zu hohe, nicht zu laute) Grundstimmung sorgt. Das gut zehnminütige Stück »Entr´acte« der 1982 geborenen Komponistin Caroline Shaw verzichtet auf alles Extreme und spielt geschmeidig und im besten Sinne eingängig mit den Möglichkeiten der Streichinstrumente. »Ich liebe die Art und Weise, wie manche Musik einen plötzlich auf die andere Seite des Spiegels von Alice im Wunderland bringt, in einer Art absurden, subtilen Übergang in Technicolor«, so die New Yorkerin, übrigens die jüngste Komponistin, die jemals mit dem Pulitzer-Preis in Musik (im Jahre 2013) ausgezeichnet wurde. Caroline Shaws Karriere ist bemerkenswert; regelmäßig stehen Uraufführungen an, sie singt, spielt Geige, unterrichtet. Ihr feines Gespür für Wirkungen hört man »Entr´acte« von 2011 an. Im Wechselspiel der Instrumentengruppen entstehen effektvolle, gar witzige Dialoge samt voneinander unabhängigen Rhythmen und manchen chromatischen Sprüngen, doch die musikalische Betonung des Teamgedankens wird nie aufs Spiel gesetzt.


Keine Frage, Richard Strauss‘ Oboenkonzert ist ähnlich unbeschwert wie Caroline Shaws »Entr´acte« und weit entfernt von den berühmt-berüchtigten, die tonalen Räume aufbrechenden Strauss-Opern »Salome« und »Elektra«. Doch war Strauss zur Entstehungszeit ein alter Mann, der für das Musikleben der Nazizeit gewiss keine unwichtige Rolle gespielt hatte und nun das Ende des Zweiten Weltkriegs beobachtete. Er trauerte um die Schönheit des Vergangenen. »Ich halte diese zeitgenössische Tragik nicht aus. Ich will Freude bereiten, ich brauche sie«, hatte er schon in den 1920er-Jahren geäußert. Dieses ästhetische Konzept blieb ihm ein wichtiges; die Klänge des mit drei Sätzen überaus harmonisch gearbeiteten Konzerts scheinen sich mit all ihrer Schönheit kraftvoll gegen Trümmer und den Untergang der deutschen Kultur zu stemmen. Die Themen könnten Mozarts Feder entstammen, des Komponisten also, dessen Musik Strauss mitunter als »welterlösend« und »losgelöst von jeder irdischen Gestalt und befreit vom Willen« bezeichnet hatte. Für die Besetzung fand sich jetzt eine perfekte, hausinterne Lösung: Der GSO-Oboist Tiago Coimbra übernimmt den Solopart.


Auch Felix Mendelssohn Bartholdy bezog sich mit seiner ersten, 1824 in Berlin uraufgeführten Symphonie auf Mozart, insbesondere auf dessen 40. Werk dieser Gattung. Hinzu kommen weitere prominente Vorbilder, etwa Beethovens Fünfte in derselben Tonart sowie Haydn und Weber. Doch der 15-jährige Mendelssohn, der zuvor bereits zwölf (!) Streichersymphonien geschrieben hatte, schuf mit diesem frühreifen, aber keineswegs naseweißen Start ins großorchestrale Metier ein Werk ganz eigener, individueller Färbung. Die Jugend hat wohl ihren eigenen Zaubertrank. In einem Alter, das sich sonst wenig um Polyphonie und Kontrapunkt schert (welche in Bachscher Art hier durchaus zu hören sind), legte Mendelssohn dieses Meisterwerk vor, das alles, nur nicht langweilig ist. Was nicht aufs erste Hören auszumachen, allerdings mit bemerkenswerter Übersicht geformt ist: In allen vier Sätzen finden sich thematische Analogien. Mendelssohn – ein Meister der Verbindungen.

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