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Eine Bühne der Jugend: das GSO mit Mozart, Peer Gynt und zwei Youngstars!

Aktualisiert: 24. Jan.

Es gehört zu den besonderen Glücksfällen des Kulturbetriebs, wenn außergewöhnliche Begabungen früh zu erkennen und bestaunen sind. Ein Herzensanliegen des Göttinger Symphonieorchesters und seines Chefdirigenten Nicholas Milton ist darüber hinaus, den Ausbildungsweg von talentierten Nachwuchskünstlern professionell zu begleiten. Die »Sonntags-Matinee 3 – Youngstars« widmet sich am Sonntag, 30. Januar 2022, um 11:00 Uhr in der Lokhalle Göttingen der Jugend: Der 17 Jahre alte Lyuta Kobayashi spielt Mozarts Klarinettenkonzert; Dorothea Röger vom Jungen Theater liest aus Henrik Ibsens dramatischem Gedicht »Peer Gynt«, zu dem Edvard Grieg unsterbliche Musik schrieb. Das Konzert findet in Kooperation mit der Stiftung »Jugend musiziert Niedersachsen« sowie mit großzügiger Unterstützung der AKB Stiftung Einbeck statt.

Tickets sind auf der Homepage des GSO unter www.gso-online.de sowie an allen bekannten VVK-Stellen erhältlich.




Das Konzert startet mit dem Komponisten, der nicht nur aufgrund seines frühen Todes, sondern seines ganzen Wesens wohl der »jugendlichste« unter allen Großen ist: Wolfgang Amadeus Mozart. Mit der kleinen Freimaurer-Kantate, der Oper »Die Zauberflöte« und dem »Requiem« gehört sein Klarinettenkonzert in A-Dur zu den Kompositionen, an denen er noch in seinem Todesjahr arbeitete, und dabei war er erst Mitte 30. In allen diesen Werken zeigt sich die vollendete Meisterschaft seiner Kunst, die auf alles Zufällige verzichtet und durch klare Struktur, einfache Melodik und transparente Satzweise besticht.


Während Mozart eine gute Handvoll Violin- und gar mehr als zwei Dutzend Klavierkonzerte schrieb, existiert von der Gattung Klarinettenkonzert nur dieses. Die Intensität des Gefühls und die melancholische Stimmung sorgten für trivialpsychologische Spekulationen, ob der Komponist sein nahes Ende geahnt habe. Bemerkenswert ist aber die höchste Kunstfertigkeit – etwa die sorgfältig ausgearbeitete Besetzung: Mozart verzichtet auf Oboen und Klarinetten, damit das Soloinstrument vor dem transparenten Klanghintergrund von Flöten, Hörnern, Fagotten und Streichern besser zur Geltung kommt.

Das Allegro stellt in der Orchestereinleitung bereits das lyrische Hauptthema vor, das sogleich vom Soloinstrument aufgegriffen wird. Nach einer a-Moll-Überleitung erklingt der C-Dur-Seitengedanke. Nicht wenig Virtuosität (Skalen, Arpeggien, Registerwechsel) wird dem Solisten abverlangt. Im Adagio spielt die Klarinette eine erhaben-feierliche Melodie. Der Satz wirkt wie eine Arie, in der das Blasinstrument mit großen Sprüngen und dramatischen Läufen besticht. Und das finale, groß angelegte Rondo ist von tänzerischem Charakter und bildet einen schwungvollen Abschluss des Konzerts. Mozart wäre nicht Mozart, überraschte er nicht mit harmonischen und satztechnischen Wendungen und Moll-Episoden. Auch hier ist aufgrund der gesanglichen Kantilenen und weiten Intervallsprüngen das ganze Können des Solisten gefragt: in diesem Fall vom 17 Jahre alten Klarinettisten Lyuta Kobayashi.


Zum sehr vielversprechenden Nachwuchs gehört auch Dorothea Röger vom Jungen Theater, die nach der Pause aus Henrik Ibsens dramatischem Gedicht »Peer Gynt« liest. Der wohl bedeutendste Dramatiker Norwegens hatte seinen um eine halbe Generation jüngeren (und damals nicht minder berühmten) Landsmann Edvard Grieg selbst um die Musik zu seinem Werk gebeten. Doch offenbar war die Zusammenarbeit eher kühl. Es gingen Briefe hin und her, Grieg willigte ein, lästerte gegenüber Freunden über die seiner Ansicht nach mindere Qualität der Textvorlage und wurde von Ibsen ermahnt: »Ich verfolge dieses Anliegen mit viel Interesse und hoffe, Sie tun desgleichen.« Die Uraufführung des Schauspiels mit Musikbegleitung im Februar 1876 besuchten beide nicht. Vermutlich hatten sie ein feines Gespür dafür, dass die märchenhaft-romantische Musik und der überbordende, durchaus etwas wirre, die Sinne aufpeitschende Text nicht durchgehend zueinander passen. Erstaunlich ist jedoch, dass es sich jeweils um Werke unbestreitbarer Größe handelt.

Die kluge Auswahl in diesem Konzert setzt größtenteils auf die acht aus den zwei Suiten bekannten Sätze. Der wesentliche Vorteil dieser Sortierung ist aber die Rückkehr zu der von den populären Suiten durcheinandergebrachten Chronologie. Endlich lässt sich einmal wieder der innere Aufbau der Sätze erkennen, die ja oft nur noch als einzelne Klassikhits rezipiert werden: Ob »In der Halle des Bergkönigs«, »Morgenstimmung« oder »Solveigs Lied« – das sind zwar meisterhafte Miniaturen, unsterbliche Melodien, die vom gewaltigen Genius Griegs zeugen. In Verbindung mit dem Text ergibt sich hier aber ein großer Bogen, der den jugendlichen Helden-Weg aus Irrungen und Wirrungen kohärent nachzeichnet.


Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) Klarinettenkonzert A-Dur KV 622

Edward Grieg (1843-1907) Peer Gynt – Auszüge

Musikalische Lesung nach Henrik Ibsen


Nicholas Milton Dirigent

Lyuta Kobayashi Klarinette

Dorothea Röger Lesung

Göttinger Symphonieorchester


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