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FEINSTE KLANGNUANCEN MIT DEN GSO-BLECHBLÄSERN

Blechbläser in der Vorweihnachtszeit lassen erstens an Gottesdienst und zweitens an Fußgängerzone denken. Beides kann entzücken. Dass Blechbläser zudem für feinste, romantisch-emotionale Klangnuancen sorgen können, zeigt die »Rathaus Serenade 1« des Göttinger Symphonieorchesters am Montag, 29. November 2021, um 20 Uhr im Alten Rathaus. Fern von königlichen Fanfarenwelten oder von paramilitärischen Walkürenritten zeigt sich die Blechbläsergruppe »GSO Brass« im geradezu nach Streichquartett und Holzbläserserenade klingenden filigranen Polyphonie-Gewand. Und wenn mal etwas schmettert, dann als augenzwinkerndes Zitat …

Tickets sind auf der Homepage des GSO unter www.gso-online.de sowie an allen bekannten VVK-Stellen erhältlich.


Mit Franz Schuberts »sechs musikalischen Sätzen für Klavier« beginnt ja fast alles – zumindest, was die romantische pianistische Hausmusik betrifft. Die Nummer sechs, ein zartes Allegretto, gehört zu den längeren Stückchen daraus und brachte schon so manchen Starpianisten zur Verzweiflung. Nicht etwa aufgrund von technischen Herausforderungen, denn solche sind überhaupt nicht vorhanden, sondern wegen der betonten Einfachheit, die, so meinen es viele von ihnen, ganz besonders gestaltet werden will. Die Bearbeitung für Blechbläser-Ensemble liegt zugleich nahe: Mithilfe der sanft akzentuierten Akkorde kann es seine Posaunenchorqualitäten besonders schön ausspielen.

Der 1860 in St. Petersburg geborene Viktor Ewald schuf die folgende Originalkomposition. Nicht selten stammen Werke für ungewöhnliche Besetzungen ja von Musikern, die ebensolche lange vermisst haben, sich aber auf dem Notenblatt selbst zu helfen wissen. Ewald war Ingenieur sowie Cellist und Tubist. Einst hatte er auch Komposition studiert, und es sind vor allem seine Quintette für Blechbläser, die sich in Fachkreisen bis heute einiger Beliebtheit erfreuen. Vier Sätze umfasst sein 1912 entstandenes und übrigens erst Ende des Jahrhunderts sauber gedrucktes Opus 7, allesamt sind klug auskomponiert, als habe Ewald eine um Streicher und Holzbläser reduzierte Symphonie schreiben wollen. Er entwirft Themen und Durchführungen, Steigerungen und Kadenzen. Das ist gekonnt ausformulierte Musik, die nun wirklich nichts mit einer Blaskappelle zu tun hat.

Zurück zur deutschen Romantik. Als Robert Schumann seine »Kinderszenen für Klavier« schrieb, war er 28 Jahre alt. Sie stecken gewiss voller Witz und zarter Poesie. Doch trifft wohl die Deutung ins Schwarze, der noch junge Komponist habe sich durchaus sentimental seiner eigenen Kindheitsjahre in allen Facetten erinnern wollen. Die wohl bekannteste Szene steht exakt in der Mitte: die »Träumerei«. Für ein zart spielendes Blechbläser-Ensemble ist dieses Stück besonders gut geeignet. Denn die gebrochenen Drei- und Mehrklänge lassen sich bestens aufeinanderschichten, mitteltiefe und mittelhohe Lagen ergänzen sich hervorragend. Erstaunlich: Gar nicht so weit von Schumann entfernt ist Oskar Böhmes Anfang des 20. Jahrhunderts entstandenes Blech-Sextett – zumindest der Beginn. Der Untertitel »Trompeten-Sextett« ist natürlich nicht zufällig, denn die beiden Trompeten sowie das Kornett sorgen für elegante Linien in der Höhe, sie sind es, die diesem gar nicht so selten gespielten, heiter daherkommenden Werk erheblichen Glanz verleihen.

Das Finale dieses Konzert trägt dem Termin Rechnung: Am Tag nach dem ersten Advent hören wir Weihnachtslieder. Doch nicht etwa in einer (zu) oft gehörten Art und Weise, sondern aus der originellen Feder eines der wichtigsten Posaunisten der vergangenen Jahrzehnte: John Iveson schuf mit seinen »Christmas Crackers« eine amüsante Zusammenstellung bekannter Weihnachts-Songs. Und auch hier wird natürlich nicht geholzt und geschmettert. Wenn »GSO Brass« die Weihnachtszeit einläutet, geschieht dies auf intelligente, verspielte, verschmitzte Weise, versteht sich.


Franz Schubert Moment musicaux D 780 – Nr. 6: Allegretto

Viktor Ewald Quintett Nr. 3 Des-Dur op. 7

Robert Schumann Kinderszenen op. 15 – Nr. 7: Träumerei

Oskar Böhme Sextett es-Moll für Blechbläser-Ensemble op. 30 – »Trompeten-Sextett«

John Iveson Christmas Crackers


GSO Brass

Die Blechbläsergruppe des Göttinger Symphonieorchesters

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