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START DER NEUEN KONZERTREIHE »KULTURKIRCHE KLASSIK«

Wenn das kein Zeichen für einen echten Neuanfang »nach Corona« ist: Am 20. November 2021 startet das Göttinger Symphonieorchester eine ganz neue Konzertreihe mit dem Titel »Kulturkirche Klassik«! Nach der Renovierung ist St. Johannis eine von fünf Kulturkirchen Niedersachsens – das feiert der Klangkörper mit insgesamt vier Konzerten dieser neuen Reihe in der Saison 2021/2022. Und was passte dazu besser als zwei symphonische Anfänge? Dirigent Bernd Eberhardt präsentiert die ersten Symphonien von Franz Schubert und Louise Farrenc. Tickets sind auf der Homepage des GSO unter www.gso-online.de sowie an allen bekannten VVK-Stellen erhältlich.


War Franz Schubert, 1797 nahe Wien geboren und somit lebenslang mit der Haydn-Mozart-Beethoven-Übermacht ringend, ein Anfänger, als er mit nur 16 Jahren seine erste Symphonie vorlegte? Ja, da er zwar zuvor ein paar kleinere Werke vorgelegt hatte, aber hier erstmals als wahrlich ernstzunehmender Komponist in Erscheinung trat. Und zugleich nein, denn mitunter scheint es, als seien die drei genannten Vorgänger ganz automatisch seine Lehrer und er ein begnadeter Vollender von deren Kunst gewesen. Der Zweifler Schubert (»Wer vermag nach Beethoven noch etwas zu machen?«) strampelte sich schon mit dieser ersten Symphonie erstaunlich frei, mal etwas überbetont kraftvoll, mal imitierend, oft aber mit vielen Einfällen, die wir im Spätwerk als typisch Schuberthaft zu kennzeichnen gewohnt sind. In seiner Ersten, die er mit seinen 16 Jahren so bewundernswert sicher zu Papier brachte, hören wir viel Klassisches; was dem jungen Schubert aber unfassbar gut gelingt, ist vor allem die Instrumentation, die – man achte insbesondere auf das Andante – so viel Romantisches vorwegnimmt. Dies ist unüberhörbar der Start eines der in der Musikgeschichte gewichtigsten Symphonien-Pakete. Vor 193 Jahren starb Franz Schubert viel zu früh. Was hätte aus seiner Feder noch alles mehr auf die Notenblätter fließen können …

Louise Farrenc wurde am 31. Mai 1804 in Paris geboren, wuchs in einem sehr kunstnahen Elternhaus auf, erhielt früh Klavierunterricht und wurde vom einflussreichen Anton Reicha ausgebildet. 1821 heiratete sie als Jugendliche einen Flötisten, Verleger und Musikschriftsteller, der viele ihrer Werke veröffentlichte. 1842 erhielt sie eine Professur für Klavier am Pariser Conservatoire, die sie 30 Jahre lang ausfüllte. Die »Academie des Beaux Arts« zeichnete Louise Farrenc gleich zweimal mit dem begehrten »Prix Chartier« aus. Sie starb am 15. September 1875 in Paris. Doch genug der nackten Fakten. Das vielleicht erstaunlichste an dieser Biografie ist, dass Louise Farrenc damals während vieler Jahrzehnte im Pariser Musikleben eine große Rolle spielte. Sie erwarb sich höchstes Ansehen, nicht nur als Lehrende und Interpretierende, sondern auch als Komponistin – bekanntlich als eine der sehr wenigen Frauen in der europäischen Musikgeschichte. Zunächst schuf sie vor allem Klaviermusik, dann auch große Orchesterwerke, nicht weniger als 51 Kompositionen wurden mit Opuszahlen versehen. 1841 entstand die erste von drei Symphonien, die 1845 in Brüssel uraufgeführt – und übrigens Ende der 1990er-Jahre in Oldenburg feierlich wiederaufgeführt wurde, nachdem sie eineinhalb Jahrhunderte kaum bemerkt in der Pariser Nationalbibliothek gelegen hatte.

Was ist das nun für ein Anfang? Die französische Romantikerin Louise Farrenc startet hier zunächst klassisch, in der unüberhörbaren Nachfolge Beethovens. Diese erste Symphonie tastet sich mithilfe der Klarinette zaghaft vor, doch die paukenunterstützten Orchesterakkorde rütteln auf, die Pariser Chopin-Seligkeit der 1830er-Jahre scheint vergessen, und auch die deutsche Romantik ist noch fern. Zumindest im ersten Satz. Denn das »gesangliche« Adagio nimmt uns anschließend mit in romantischere Welten. Im Minuetto mit seinen auffälligen und bisweilen sehr tänzerischen Betonungen hören wir erneut viel Beethoven, während das treibende und mitunter verspielte Finale an Haydn erinnert. Wiener Klassik in der französischen Hauptstadt. Doch genug der Vergleiche: Louise Farrenc, so wird hier deutlich, hat ebenso wie Schubert eine eigene Stimme. Wie gut, dass ihr symphonischer Anfang nun in Konzerten wie diesem wieder hörbar wird!


Franz Schubert (1797-1828): Symphonie Nr. 1 D-Dur D82

Louise Farrenc (1804-1875): Symphonie Nr. 1 c-Moll op.32


Göttinger Symphonieorchester

Dirigent: Bernd Eberhardt


Tickets bekommt ihr in allen Vorverkaufsstellen und unter www.gso.reservix.de

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