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»LÄNDERPORTRÄT: NORWEGEN« AM 8. MAI:IM HOHEN NORDEN KLINGT (FAST) ALLES ANDERS!


Edvard Grieg Tanz Nr. 3 – aus: »Norwegische Tänze« op. 35 (Orchesterfassung von Hans Sitt)

Johan Severin Svendsen Norwegische Rhapsodie Nr. 3 op. 21

Catharinus Elling Violinkonzert

Edvard Grieg Peer Gynt – Orchestersuite Nr. 1 op. 46

Johan Halvorsen Fossegrimen Suite op. 21


Pavel Belaff Dirigent

Ragnhild Hemsing Hardanger Fiddle / Violine

Göttinger Symphonieorchester



Edvard Grieg, natürlich, er darf nicht fehlen, und verschneite Wälder, Trolle und Feen. Doch was hat die norwegische Musikgeschichte noch zu bieten? Im Konzert »Länderporträt: Norwegen« am Sonntag, 8. Mai 2022, um 17:00 Uhr im Deutschen Theater Göttingen geht Pavel Belaff, Chefdirigent der Philharmonie Baden-Baden, mit dem Göttinger Symphonieorchester dieser Frage nach und präsentiert Musik von Johan Severin Svendsen, Catharinus Elling und Johan Halvorsen. Zudem ist die Bühne frei für ein hierzulande fast unbekanntes Instrument: Solistin Ragnhild Hemsing ist sowohl mit der Violine als auch mit der neunsaitigen Hardanger Fiddle zu erleben.

Tickets sind auf der Homepage des GSO unter www.gso-online.de sowie an allen bekannten VVK-Stellen erhältlich.


Norwegen auf der europäischen Musiklandkarte zu verorten, ist nicht ganz leicht. Schaut man sich die Spielpläne deutscher Orchester an, residiert dort oben zumeist nur Edvard Grieg. Das Programm dieses Konzerts bietet aber zusätzliche Entdeckungen, die einiges mehr zu bieten haben als verschneite Waldlandschaften und Fabelwesen – und so unsere Klischeevorstellungen von norwegischer Musik gehörig ins Wanken bringen!

Der kurze dritte Tanz aus Edvard Griegs »Norwegischen Tänze« verbindet die Eleganz mitteleuropäischer Salons mit den verspielten Ornamenten der norwegischen Volkstraditionen. Und Johan Svendsens hierzulande gar nicht mal sooo selten gespielte dritte Norwegische Rhapsodie von 1877 trägt ihre Aufgabe gewissermaßen schon im Titel: Sie soll in eher lockerer Form (»Rhapsodie«) die tänzerischen Musiktraditionen von Svendsens Heimatland präsentieren. Das gelingt ihm auf eine sehr ansprechende Art und Weise, nichts überfordert, alles schmiegt sich behutsam ans Ohr, und das Ende bietet erfrischend Wuchtiges.

Catharinus Elling war einer der aufstrebenden Musiker aus Oslo/Christiania, die von Grieg und Svendsen gefördert und in deutschen Musikhochburgen ausgebildet wurden. Das hört man: Sein einziges Violinkonzert kann es mit der Ausdrucksstärke, mit dem Mut zur Vielseitigkeit an Stimmung durchaus mit manchem bekannten romantischen Violinkonzert des 19. Jahrhunderts aufnehmen. In drei Sätzen – wie gewohnt schnell, langsam, schnell – entfaltet er einen beachtlichen Reichtum an Themen und Stimmungen.

Die norwegischen Jahre zwischen 1870 und 1890 gelten in der Rückschau auch deshalb als »golden«, weil viele Künstlernaturen zusammenkamen. Henrik Ibsen, der wohl bedeutendste Dramatiker Norwegens, bat seinen um eine halbe Generation jüngeren Landsmann Edvard Grieg selbst um die Musik zu seinem berühmten »Peer Gynt«. Erstaunlich ist, dass es sich beim Ergebnis um ein Werk ebenfalls unbestreitbarer Größe handelt. Im Falle von Ibsens »Peer Gynt« ist ein Einlassen auf den teils halluzinierenden Tonfall Voraussetzung für den Genuss; im Falle von Griegs »Peer Gynt« sorgte der Komponist selbst für eine überaus gut zu konsumierende Form, indem er erst die eine, dann die andere Suite vorlegte, die 1888 in Leipzig und 1891 in Christiania uraufgeführt wurden und einzelne Passagen der gesamten Bühnenmusik wie ein Best-of vereinen. Nahezu jeder einzelne Satz ist im Laufe der Zeit zu einem echten Klassikhit geworden. Das sind meisterhafte Miniaturen, unsterbliche Melodien und zeugen von dem gewaltigen Genius Griegs.

In Johan Halvorsen Fossegrimen-Suite lernen wir schließlich ein echt norwegisches Instrument, nämlich die Hardanger Fiddle, eine Geige mit neun statt der üblichen vier Saiten, kennen. In seinem künstlerischen Selbstverständnis ähnelt Johan Halvorsen Johan Svendsen. Auch er orientierte sich an klassisch-romantischen Formen, achtete aber leidenschaftlich darauf, seine Heimat stets mitklingen zu lassen. Das Musiktheaterstück von Sigurd Eldegard (Text) und Johan Halvorsen (Musik) über einen Wasserfall-Troll namens Fossegrimen, der Wald, Wind und Wasser diese besondere Fidel spielen lässt, war damals ein großer Erfolg. Und die Musik dazu weiß mit vielseitiger Kinderfilm-Expressivität für sich einzunehmen.

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