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LOKHALLE KLASSIK 4 AM 26.03.2022

Sergei Rachmaninow (1873-1943) Rhapsodie über ein Thema von Paganini op. 43

Nikolai Rimski-Korsakow (1844-1908) Scheherazade op. 35


Nicholas Milton Dirigent

Alexander Krichel Klavier

Göttinger Symphonieorchester


»Lokhalle Klassik 4«: Russische Romantik von Rachmaninow und Rimski-Korsakow






Ein Abend zum Schwelgen: Das Göttinger Symphonieorchester und Chefdirigent Nicholas Milton spielen zwei beliebte hochromantische Highlights der russischen Musikgeschichte, Rachmaninows an Variationen reiche Paganini-Rhapsodie und Rimski-Korsakows »Scheherazade« mit Happy End. In dem Konzert »Lokhalle Klassik 4« am Samstag, 26. März 2022, um 19:45 Uhr in der Lokhalle Göttingen ist der in Hamburg geborene Pianist Alexander Krichel am Klavier zu erleben; der Musiker mit ausgewiesener Expertise für die Musik Rachmaninows spielt den virtuosen Solopart in Rachmaninows mitreißender Variationenfolge.

Tickets sind auf der Homepage des GSO unter www.gso-online.de sowie an allen bekannten VVK-Stellen erhältlich.


Im Sommer 1934 weilte Sergei Rachmaninow am Vierwaldstättersee – und tat es Brahms, Liszt und anderen Vorgängern gleich: Er schrieb eine Variationenfolge zu einem Thema von Niccolò Paganini, das aus dessen letztem Capriccio für Solovioline, dem Opus 1 Nummer 24 in a-Moll, stammt: ein virtuoses, aber im Kern fast nüchtern-strenges Thema, zu dem Paganini übrigens auch schon selbst Variationen ersonnen hatte. Anfang November 1934 wurde Rachmaninows Werk in Baltimore uraufgeführt, der Komponist spielte den Solopart. Diese Paganini-Rhapsodie zählt seitdem zu den Erfolgsstücken auf allen Konzertpodien der Welt: verspielt, virtuos und nur ein kleines bisschen rhythmisch vertrackt. Eine Wundertüte mit viel Spätromantik, ein bisschen Strawinsky, reichlich Glanz, Amüsement und kaum 20.-Jahrhundert-Moderne. Dass Rachmaninow etwas verwirrend noch vor der Vorstellung des Themas eine erste kurze Variation setzt, beweist nur seine Souveränität. Und dass die hochromantische Variation Nummer 18 Eingang in viele Filme fand, beweist den guten Geschmack der Regisseure …

Aber was hören wir da in der Variation Nummer sieben? Wie in vielen anderen seiner Werke auch taucht unvermittelt das mittelalterliche Motiv »Dies Irae« auf, das aufs Jüngste Gericht verweist. Rachmaninow selbst sorgte für eine anschauliche Deutung: Paganini hat seine Seele dem Teufel verkauft und sich davon ein herausragendes Geigespiel sowie die Liebe einer Frau versprochen. Diese Rhapsodie beinhaltet also ein Ringen zwischen dem Virtuosen und dem Teufel: Ersteren stellt natürlich das Ausgangs-Thema dar, Letzteren das Dies-Irae-Motiv.

Nikolai Rimski-Korsakow war ein Meister des Orchesterklangs, seine Instrumentation – mit viel Schlagwerk und etwa Elefanten nachahmenden Bläsern – ist mitunter atemberaubend. »Zauberer« nannten manche seiner Nachfolger den 1844 bei St. Petersburg geborenen Jung-Russen. In der 1888 uraufgeführten sinfonischen Dichtung »Scheherazade« ist er ein ungemein anschaulicher Zauberer – unschwer sind beispielsweise gleich zu Beginn die beiden zentralen Motive auszumachen: Das absteigende, stark akzentuierte des Sultans in den ersten vier Takten sowie die verspielte und zugleich ein wenig verängstigte Wellenbewegung der Scheherazade kurze Zeit später in der Solo-Violine. Scheherazade will nicht wie sämtliche ihrer Vorgängerinnen enden, die der Sultan jeweils nach einer gemeinsamen Nacht ermorden ließ.

Mit »Das Meer und Sindbads Schiff« startet sie ihre Lebensrettung; das Meeresrauschen und der Mut Sindbads spiegeln sich im Orchester. Zwar unterbricht sie der Sultan unüberhörbar, doch Scheherazade setzt sich durch, erzählt spannend und erschafft sich so eine weitere Chance. »Die Geschichte vom Prinzen Kalender«, quasi der zweite Satz, hält dann einige Späße bereit. Denn dieser Prinz ist eine Art Till Eulenspiegel. Und auch der Sultan muss lachen – Glück für Scheherazade. Am folgenden Abend stehen »Der junge Prinz und die junge Prinzessin« auf dem Programm. Diese ungetrübten Kinderfantasien hinterlassen ebenfalls ihren Eindruck beim Sultan. Ganz verklärt bringt er es auch dieses Mal nicht übers Herz, seine Erzählerin umzubringen. Der vierte Teil »Fest in Bagdad – Das Meer – Schiffbruch« bringt letztlich die Katharsis, der Sultan erkennt die Grausamkeit seines Handelns. Denn auch er hat ja Schiffbruch erlitten: Überzeugt von der vermeintlichen Untreue aller Frauen, konnte er seine Angst nur durchs Morden bezwingen. Doch nun will er nicht länger einsam und hasserfüllt sein. Er will sein Herz wieder öffnen und mit Scheherazade ein gemeinsames Leben beginnen. Entsprechend gehen beider Motive am Schluss Hand in Hand.


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