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»LOKHALLE KLASSIK 5« MIT RAPHAELA GROMES AM 28.05.2022

»Lokhalle Klassik 5« am 28.05. in der LOKHALLE GÖTTINGEN und am 29.05. in der PS.HALLE in Einbeck.


Gibt es in der Musik Grenzen? Wie absurd schon die Frage ist, zeigt in diesem Konzert die Cellistin Raphaela Gromes, derzeit Artist in Residence beim Göttinger Symphonieorchester: Kein geringeres als das wild die Stile mixende und so herrlich erfrischende »Konzert für Violoncello und Blasorchester« des Revolutionärs Friedrich Gulda von 1981 hat sie sich vorgenommen, um ihr Können in allen Fassetten zu zeigen.

Am Samstag, 28. Mai 2022, um 19:45 Uhr in der Lokhalle Göttingen ist das GSO unter der Leitung von Chefdirigent Nicholas Milton zudem mit einer der größten Symphonien der Musikgeschichte zu erleben: mit Beethovens »Eroica«.

Tickets sind auf der Homepage des GSO unter www.gso-online.de sowie an allen bekannten VVK-Stellen erhältlich.


Dass uns der österreichische Komponist und Pianist Friedrich Gulda auf unnachahmliche musikalische Art stets aufs Neue wachrüttelt, ist unbestritten: Er kombinierte zeitlebens Klassik, Jazz, Rock und Volksmusik, dass es eine erfrischende Freude für die Ohren war. Was für Bach der Generalbass, war für Gulda die Jazz-Rhythmusgruppe, bestehend aus Schlagzeug, Gitarre und Bass. Wer will, nennt das »Fusion« oder »Crossover«. Oder in Fachkreisen einfach nur »Gulda«.

Friedrich Guldas 1981 uraufgeführtes Konzert für Violoncello und Blasorchester (zu dem sich genau genommen die erwähnte Rhythmusgruppe gesellt) gehört zu den beliebtesten Beispielen aus seiner Feder für diese Art des Komponierens. Puristen mögen kopfschüttelnd davonlaufen; wem jedoch die Grenzen zwischen sogenannter ernster und sogenannter Unterhaltungs-Musik sowieso willkürlich vorkommen, wird mit dem Fuß die Jazz-Synkopen mitschlagen, leise die romantischen Volksmelodien mitsummen, beeindruckt den Mut zum modernen Cellospiel bestaunen und lachend das Gulda-Augenzwinkern registrieren. Wie gut, dass Raphaela Gromes dieses Werk ganz oben auf ihre Wunschliste als Artist in Residence beim Göttinger Symphonieorchester setzte!

Kern des Konzerts ist natürlich die »Cadenza«, in der wir das Violoncello in voller Pracht erleben. Erstaunlich, was Gulda der Solistin an technischen Aufgaben überträgt – für Raphaela Gromes aber natürlich kein Problem! Den Schluss bildet das »Finale alla marcia« mit einem überkandidelt schnellen Marsch, der uns auf den Jahrmarkt entführt. Wenn das keine Gulda-Gaudi ist! Es bedarf wohl keines weiteren Beweises dafür, dass dieser Paradiesvogel-Komponist vielen Klassikfans in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu Recht als langersehnter Entstaubungs-Held galt.

Apropos Entstaubung: zurück zu Ludwig van Beethoven! War dessen Zeitgenosse Napoleon auch ein Held? Beethoven und viele Zeitgenossen hätten diese Frage um 1800 mit Inbrunst bejaht. »Sinfonia eroica« betitelte Beethoven seine in den Jahren 1803 und 1804 entstandene und 1805 in Wien uraufgeführte Dritte, eine »Heldische Symphonie, komponiert, um die Erinnerung an einen großen Menschen zu feiern«. Ob dieser »große Mensch« der kleine Napoleon sein sollte – zunächst vermutlich schon. Doch eine entsprechende Widmung hat Beethoven wohl nachträglich vernichtet, da die eigenhändige Kaiserkrönung des Korsen für den Komponisten ein herber Verrat an den republikanischen Ideen der französischen Aufklärung war. Damit war Napoleons Heldentum vorbei.

Oder war vielleicht Beethoven selbst ein Held? Schließlich geht er mit seiner »Eroica« wahrhaft neue Wege, trotz mancher Zweifel und vielfachen Achselzuckens der ersten Hörer. Harte Forte-Akkorde markieren den Beginn. Und schon schließt in den Celli das Hauptthema an – eine eher einfach gebaute Bewegung auf dem Es-Dur-Dreiklang. Es folgen im weiteren Verlauf jedoch verschiedenste Themen unterschiedlichen Charakters. Und wie Beethoven in der Durchführung mit ihnen hantiert, sie verschränkt und in harten Dissonanzen gegeneinanderstellt, ist musikhistorisch einmalig. Der schon nahezu ertaubte Beethoven als Komponist von noch nie Gehörtem.

Im vierten Satz bringt Beethoven seine stupende Variations-Technik zur Meisterschaft, indem er sich als Ausgangsmaterial ein eher einfaches Thema nimmt, welches er dann kunstvoll variiert. Überraschend flicht er noch eine Fuge ein, bevor sich das Finale zum schwungvollen (heldenhaften?) Symphonieende erhebt. Welch ein Konzertabschluss!



Friedrich Gulda (1930-2000) Konzert für Violoncello und Blasorchester

Ludwig van Beethoven (1770-1827) Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 - »Eroica«


Nicholas Milton Dirigent

Raphaela Gromes Violoncello (Artist in Residence 2021/2022)

Göttinger Symphonieorchester

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