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NACHWUCHS-STAR ELISABETH BRAUSS SPIELT GRIEGS KLAVIERKONZERT

Im Konzert »Lokhalle Klassik 2« ist Musik aus Norwegen und Böhmen zu erleben – und ein begnadeter Nachwuchs-Star der klassischen Musik: Elisabeth Brauß (Jahrgang 1995), Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe und bereits in den größten Konzerthäusern zu Hause, spielt Edvard Griegs gewichtiges Klavierkonzert a-Moll. Am 26. November 2021 um 19:45 Uhr in der LOKHALLE Göttingen (Halle 3) interpretiert GSO-Chefdirigent Nicholas Milton außerdem große Musik aus (vermeintlich) kleinen Musiknationen: ein heiter-berauschendes Faschingsstück von Griegs Landsmann Johan Severin Svendsen und Antonín Dvořáks geradezu umwerfende siebte Symphonie. Tickets sind auf der Homepage des GSO unter www.gso-online.de sowie an allen bekannten VVK-Stellen erhältlich.


Kann ein Komponist und Dirigent, der Beethovens neunte Symphonie erstmals in Norwegen aufführte, unbedeutend gewesen sein? Natürlich nicht. Diese Personalie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist kein Zufall: Johan Severin Svendsen war, auch wenn er uns heute kaum noch geläufig ist, damals ein bedeutender, weitgereister und beispielsweise mit dem im damaligen Musik-Europa tonangebenden Richard Wagner eng befreundeter Musiker – weit bekannter als sein nahezu gleichaltriger Landsmann Edvard Grieg (dessen Werken wir heute weitaus häufiger begegnen). Svendsen, der mehrere Instrumente spielen konnte und von 1883 bis 1908 als Leiter der Königlichen Oper in Kopenhagen wirkte, schuf mit dem »Künstlerkarneval« ein schmissiges Stück, eine Art Ouvertüre, die in erster Linie Spaß sowie Neugier auf den weiteren Verlauf des Abends machen möchte. 1874, also noch in jungen Jahren des Komponisten, in Oslo uraufgeführt, zeigt sich in diesem Werk schon das Gespür für eine mutige, ja, fast übermütige Instrumentation, für tänzerisch-rhythmische Finessen und eine zutiefst heitere Form der Komposition.

Auch das a-Moll-Klavierkonzert des erwähnten Landsmannes entstand in jungen Jahren: Edvard Grieg hatte noch nahezu zwei Drittel seines Lebens vor sich, als er diesen Konzertprogramm-Klassiker zu Papier brachte. In seinem 1869 in Kopenhagen uraufgeführten Konzert wirft er mit klangvollen Melodien nur so um sich und feiert schwelgerisch den Sound seiner Heimat. Es ist der berührende, der nordisch-tänzerische und zugleich virtuose Tonfall, in dem bereits der gesamte weitere Grieg enthalten ist. Die Nähe zu Robert Schumanns a-Moll-Konzert ist nicht zu überhören. Doch von der symphonischen Form, an die sich Schumann noch hielt, emanzipiert sich Grieg; seine Einfälle stehen eher unverbunden nebeneinander. Grieg lässt ihnen freien Lauf – und bewahrt sich damit alle Freiheiten einer malerischen Naturlyrik. Grieg scheut nicht das Ornament und lässt die Solistin zeigen, was sie kann. Der zweite Satz entführt mit üppigen Melodiebögen in stimmungsvolle norwegische Landschaften mit ihrer Einsamkeit, ihrer Weite, als huschten Elfen zwischen den Pulten hin und her. Vor allem der dritte Satz mit seinem wahrhaft großen Schluss reißt mit. Solistin und Orchester steigern sich in ihn hinein, als wollten sie ihre Kraft aneinander messen.

»Der Kerl hat mehr Ideen als wir alle. Aus seinen Abfällen könnte sich jeder andere die Hauptthemen zusammenklauben.« Das sagte nicht Haydn über Mozart. Und auch nicht der alte Liszt über den jungen Tschaikowsky. Sondern, Sie ahnen es: Brahms über den mit ihm befreundeten und von ihm unterstützen Antonín Dvořák. Und vielleicht hatte Brahms sogar Recht. Antonín Dvořák, der in seiner Heimat – neben Smetana – als Begründer eines eigenen tschechischen Nationalstils galt und im Ausland origineller Weise als »böhmischer Brahms«, kennen wir in erster Linie als Schöpfer der Neunten, der Symphonie »Aus der neuen Welt«. Doch die zuvor entstandenen stehen völlig zu Unrecht im Schatten dieses Evergreens! 1885 wurde die siebte Symphonie unter der Leitung des Komponisten in London sehr erfolgreich uraufgeführt. Die Nähe zu Brahms ist zum Beispiel im ersten Satz hörbar, der nach einer unruhigen Einleitung fast durchweg drängend bis stürmend bleibt. Im zweiten achte man auf die zahlreichen feinen Melodiebögen – die Brahms oben genannten Respekt abverlangten. Und das Finale beschließt diese in vielerlei Hinsicht überwältigende Symphonie mit gewaltiger Kraft, unerschöpflichem Einfallsreichtum und einem Drängen, das sich nicht die kleinste Pause gönnt.


Johan Severin Svendsen (1840-1911) Norwegischer Künstlerkarneval op. 14

Edvard Grieg (1843-1907) Klavierkonzert a-Moll op. 16

Antonín Dvořák (1841-1904) Symphonie Nr. 7 d-Moll op. 70


Solistin: Elisabeth Brauß, Klavier

Chefdirigent: Nicholas Milton

Göttinger Symphonieorchester

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