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Neujahrskonzert 2022 des GSO trotz(t) Corona: Samstag, 08.01.2022, 19:45 Uhr Lokhalle 3

WALZERSELIGKEIT ZUM 2022-START: DIE NEUJAHRSKONZERTE DES GSO


Wie begrüßt man ein neues Jahr, von dem niemand weiß, wie es wird …? Eigentlich gibt es nur eine richtige Antwort: Weiterspielen! Und so startet das Göttinger Symphonieorchester das neue Jahr 2022 unter der Berücksichtigung aller erdenklichen Sicherheitsmaßnahmen und Auflagen und an einem neuen Veranstaltungsort ungebremst beschwingt und walzerselig – am Samstag, 08.01.2022, um 19.45 Uhr, in der Lokhalle 3 unter der Leitung von Christian Simonis. Im Publikum, das im Schachbrettmuster platziert und angeordnet ist, gilt 2G und Maske am Platz. Das Konzert wird ohne Pause durchgeführt. In diesem wie in drei weiteren Konzerten in Wunstorf, Einbeck und Northeim präsentiert Dirigent und Moderator Christian Simonis ein buntes Programm, das sich ganz der (vermeintlich) leichten Wiener Muse verschrieben hat. Dass das Programm trotz aktueller Einschränkungen und ein wenig verschlankt überhaupt stattfinden kann, ist für GSO-Geschäftsführer Dr. Alexander Busche ein sehr positives Zeichen: »Wir freuen uns außerordentlich über diese Gelegenheit, mit unserem Publikum musikalisch auf das neue Jahr anzustoßen zu können!«


Wenige Restkarten ebenso wie Informationen zu den genauen Terminen und dem jeweiligen Status der Veranstaltungen sind auf der Homepage des GSO unter www.gso-online.de erhältlich. Tickets gibt es natürlich auch an allen bekannten VVK-Stellen.


Wer an Walzer denkt, denkt an Wien – und denkt an die Strauss-Dynastie. Diese war dort im 19. Jahrhundert so übermächtig, dass Oscar Straus, mit dessen Ouvertüre zur Operette »Ein Walzertraum« die Konzerte beginnen, eine bemerkenswerte Strategie der Abgrenzung wählte: Eigentlich mit zwei s am Ende des Nachnamens geboren, strich er selbst eines davon.


Der einzig wahre »Walzerkönig« war aber bekanntlich Johann Strauss. Der Sohn und Konkurrent des gleichnamigen Dynastie-Ahnherren schrieb seinen Konzertwalzer »Rosen aus dem Süden« 1880 – wer sich hin und wieder das Wiener Neujahrskonzert im Fernsehen anschaut, dürfte die Melodien wiedererkennen. Johann Strauss (Vater) hingegen schuf etwas weniger die Zeiten Überdauerndes, unter anderem aber den krachenden »Cachucha Galopp«. Und weiter geht es gleich mit einem anderen Sohn: Josef Strauss brachte es nicht zu dem gewaltigen Erfolg seines Bruders Johann, schuf aber auch eine gigantische Zahl an Tanz- und Unterhaltungsstücken, etwa die Polka-Mazurka »Brennende Liebe«, der man die im Titel erwähnte, sich aber eher behutsam verzehrende Leidenschaft anhört. Und auch Eduard, der jüngste der drei Brüder aus erster Ehe, darf natürlich nicht fehlen. Der Komponist und Dirigent, der sogar noch die Schrecken des Ersten Weltkrieges miterlebte, war ebenso fleißig – und wusste elegant-krachledern zu überzeugen. Seine schnelle Polka »Wo man lacht und lebt« sprüht nur so vor Ausgelassenheit.


Doch neben all diesen begnadeten Familienmitgliedern gibt es einige weitere große Namen. Franz von Suppè beispielsweise war für die Geburt der Operette immens wichtig – sein Gattungsbeitrag von 1867 mit dem Titel »Banditenstreiche«, von dem wir die vielseitig das Tanzbein schwingende Ouvertüre hören, sorgte mit einer schmissigen Musik für solide gehobenes Amüsement. Ein Nachfahre Suppès war der unnachahmliche Emmerich Kálmán, der mit seinen ungarischen Wurzeln für einen fesselnden osteuropäischen Schmelz in der Unterhaltungsmusik sorgte. Dass neben der berühmte »Csárdásfürstin« noch weitere Meisterwerke von ihm zu entdecken sind, beweist an erster Stelle die »Gräfin Mariza«.


Wie am Fließband schrieb im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts Carl Millöcker Operetten für das Theater an der Wien, darunter etwa »Der Bettelstudent«. Sein Pizzicato-Walzer ist ein feiner, zarter Genre-Beitrag – und ein Experiment: Lässt sich der Drei-Viertel-Takt-Schwung, den wir bei der Bezeichnung Walzer erwarten, auch mit nur gezupften Saiten erzeugten? Ja, das geht, und das Ergebnis ist ein ganz eigenes kleines Kunstwerk. Etwas rustikaler geht es zu, wenn man nach Deutschland blickt: Der im Revolutionsjahr 1848 in Merseburg geborene Richard Eilenberg schuf mit der »Petersburger Schlittenfahrt« eine schmissige Salonmusik mit dem bezeichnenden Untertitel »Galopp«, die Mitte der 1880er-Jahre die Festbühnen Europas eroberte.


Zum Schluss zu dem die Massen verzaubernden Franz Lehár, der ebenso wie Kálmán ungarische Wurzeln hatte – und diese in berückend schöne Klänge zu verwandeln wusste. Sein Walzer »Gold und Silber« vom Beginn des 20. Jahrhunderts reiht sich allerdings fast nahtlos ein in die Wiener Tradition sanft wogender und immer wieder von Beckenschlägen aufgepeitschter Opernball-Tanzstücke. Lehár gelang es während der nahezu zehn Minuten meisterhaft, große Bögen und dynamische Steigerungen zu entwickeln. Ein perfekter, kraftvoller, die anatomischen und emotionalen Gelenke lockernder Start ins neue Jahr!



Oscar Straus (1870-1954) – Ouvertüre zur Operette »Ein Walzertraum«

Johann Strauss (Sohn) (1825-1899) – Rosen aus dem Süden, Walzer op. 388

Johann Strauss (Vater) (1804-1849) – Cachucha Galopp op. 97

Josef Strauss (1827-1870) – Brennende Liebe, Polka Mazurka op. 129

Eduard Strauss (1835-1916) – Wo man lacht und lebt, Polka schnell op. 108

Franz von Suppè (1819-1895) – Ouvertüre zur Operette »Banditenstreiche«

Emmerich Kálmán (1882-1953)

Ouvertüre zur Operette »Gräfin Mariza«

Carl Millöcker (1842-1899) – Pizzicato Walzer

Richard Eilenberg (1848-1925) – Petersburger Schlittenfahrt, Galopp op. 57

Franz Lehár (1870-1948) – Gold und Silber, Walzer op. 79


Christian Simonis – Dirigent und Moderator

Göttinger Symphonieorchester

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