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RATHAUS SERENADE 2: DAS »DUO GROMES RIEM« MIT MÄRCHENHAFTER KAMMERMUSIK

Aktualisiert: 21. Feb.

David Popper (1843-1913) Suite für Violoncello und Orchester op. 50 – »Im Walde«

Leoš Janáček (1854-1928) Pohádka (Märchen) für Violoncello und Klavier

Robert Schumann (1810-1856) Märchenbilder – vier Stücke für Viola und Klavier op. 113

Franz Liszt (1811-1886) Aus »Zwei Konzertstudien« S 145: Gnomenreigen. Presto scherzando (für Violoncello und Klavier arrangiert von Julian Riem)

Paul Juon (1872-1940) Märchen für Violoncello und Klavier op. 8

Mario Castelnuovo-Tedesco (1895-1968) Paraphrase über die Figaro-Arie »Largo al factotum« aus Rossinis »Il barbiere di Siviglia«


DUO GROMES RIEM

Rafaela Gromes Violoncello (Artist in Residence 2021/2022 des GSO)

Julian Riem Klavier


Im vergangenen Jahr haben sie den renommierten »Opus Klassik« gewonnen: die Cellistin Raphaela Gromes, Artist in Residence 2021/2022 des Göttinger Symphonieorchesters, und der Pianist Julian Riem. Im Konzert »Rathaus Serenade 2« spielen sie nicht etwa Altbekanntes, das für diese bezaubernde Formation zahlreich existiert, sondern viele erstaunliche Neu- oder Wiederentdeckungen; die Komponisten reichen von David Popper über Leoš Janáček und Robert Schumann bis zu Paul Juon. Dieses außergewöhnliche Gastspiel findet am Montag, 28. Februar 2022, um 20 Uhr im Alten Rathaus Göttingen statt.

Tickets sind auf der Homepage des GSO unter www.gso-online.de sowie an allen bekannten VVK-Stellen erhältlich.


Ein Duo mit Cello und Klavier gehört zu den schönsten Formationen der Kammermusik. Zahlreiche Sonaten für diese beiden Instrumente, die sich mit ihrem volltönenden Klang so gut ergänzen, kennt die Musikgeschichte. Doch das Duo mit Raphaela Gromes und Julian Riem hat sich nicht einen der Klassiker von Beethoven, Mendelssohn, Brahms oder anderen ausgesucht, sondern präsentiert ein erfrischend vielseitiges Programm mit manchen Neuentdeckungen.


Los geht es mit David Popper, einem Mitte des 19. Jahrhunderts in Prag geborenen Komponisten, der selbst brillant das Cello gespielt hat, einige Jahre Solo-Cellist der Wiener Hofoper war – und von Johannes Brahms um die Uraufführung mancher Werke gebeten wurde. Seine zunächst für Cello und Orchester geschriebene Suite mit dem vielsagenden Titel »Im Walde« entstand 1882 und zählt mit ihren sechs Sätzen zur damals weit verbreiteten eleganten, nicht übermäßig schwer zu spielenden Salonmusik, umso mehr faszinieren die Poesie der Melodien und die Reinheit der Stimmungen. Leoš Janáček, der heute ungleich bekanntere Landsmann Poppers, vertonte 30 Jahre später ein russisches Märchen von Wassili Schukowski für Cello und Klavier. Iwan ist ein Zarensohn und erhält vom Cello seine »Stimme«, während uns die von Iwan umworbene Prinzessin Marja im Klavier begegnet. Allerdings handelt es sich nicht etwa um eine Nacherzählung mit den Mitteln der Musik, sondern um drei Stimmungsbilder, in denen wir Dialogen der beiden Hauptfiguren lauschen. Das ist in dieser Form tatsächlich selten gehörte Kammermusik, Janáček ist und bleibt wohl einer der oft zu wenig beachteten Solitäre der Musikgeschichte.


Wir bleiben beim romantischen Märchen-Thema. Für die ursprüngliche Besetzung Klavier und Viola schrieb Robert Schumann im März 1851 seine vierteiligen Märchenbilder, deren Originalausgabe auf der Titelseite eine Märchenerzählerin zeigte. Was Schumann meisterlich gelingt, ist der musikalische Ausdruck des Märchenerzählens an sich – etwa mithilfe von Wiederholungen, Volksmelodien und klar gegliederten Abschnitten. Und was man mit einem Flügel sonst noch so anstellen kann, zeigt der 1862 von Franz Liszt erdachten »Gnomenreigen« aus den »Zwei Konzertetüden«, zu denen auch das »Waldesrauschen« gehört. Im flotten »Presto scherzando« ist dieser märchenhafte Reigen ein virtuoses und zugleich schnell vorbeihuschendes Bravourstück für alle Tastenkünstler à la Liszt. Hier hat der Pianist Julian Riem eine Version mit Cello arrangiert.


Man nannte ihn den »russischen Brahms«: Paul Juon, der 1872 geborene Spross einer nach Moskau ausgewanderten Familie aus der Schweiz, komponierte 1904 in seiner Wahlheimat Berlin sein Opus acht, ein romantisch-verschlungenes Märchen, das zum Teil in der Tat an die empfindsame Kammermusik des großen Hamburger Komponisten erinnert. Gut möglich, dass man Mario Castelnuovo-Tedescos Musik bereits einmal in einem US-amerikanischen Film gehört hat. Doch der florentinisch-jüdische Komponist, der 1939 emigrieren musste, ist heute – außer mit seinen Werken für Gitarre – nur noch wenig bekannt. Seine Paraphrase (die Überführung eines Werkes in einen anderen musikalischen Bereich) über Rossinis Figaro-Arie »Largo al factotum« macht aus großer Oper einen kammermusikalischen Spaß: Die bekannten Melodien werden zur virtuosen Spielwiese. Bekannt ist vor allem die Version für Violine; in diesem Fall darf sich das Cello verschmitzt über den Gassenhauer hermachen.

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