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* * Sonntagsmatinee * * 12. Juni 11:00 Uhr

Aktualisiert: 8. Juni


Deutsches Theater Göttingen


Jean Sibelius (1865-1957) Karelia-Suite op. 11 und Frühlingslied op. 16

Johann Baptist Georg Neruda (1707-1780) Konzert für Corno da caccia, Streichorchester und Basso Continuo Es-Dur

Ludwig van Beethoven (1770-1827) Symphonie Nr. 8 F-Dur op. 93


Nicholas Milton Dirigent

Noah Krüger Corno da caccia

Göttinger Symphonieorchester



 


Die »Youngstars«, die das Göttinger Symphonieorchester in den Sonntags-Matineen präsentiert, sind, das zeigte sich in dieser Spielzeit, mehr als eindrucksvoll. Zum Abschluss der Reihe kommt der junge Noah Krüger: Mit seinem Jagdhorn (Corno da caccia) spielt er das »Trompeten«-Konzert aus der Feder von Johann Baptist Georg Neruda in der ursprünglichen Fassung – eine gewaltige Herausforderung! GSO-Chefdirigent Nicholas Milton präsentiert zudem Beethovens revolutionäre achte Symphonie sowie frühe, naturverbundene Orchesterwerke von Jean Sibelius: die Karelia-Suite und das Frühlingslied.

Zu erleben sind ist dieses musikalische Kaleidoskop am Sonntag, 12. Juni 2022, um 11:00 Uhr im Deutschen Theater Göttingen.

Tickets sind hier verfügbar.



 


Der finnische Komponist Jean Sibelius schrieb in noch jungen Jahren drei Orchesterstücke, die er 1894 in der »Karelia-Suite« zusammenführte. Einige Jahre bevor er die erste seiner acht großen Symphonien zu Papier brachte, entstand also diese Musik, die ursprünglich einen universitär-patriotischen Festumzug in Karelien (Südost-Finnland) vertonen sollte. Und – wie nahezu immer bei Sibelius – hört man ihr neben dem Festlichen den Landesbezug durchaus an; die Anklänge an die Volksmusik dieser Gegend, mit der er gut vertraut war, sind deutlich. Während zur selben Zeit die mitteleuropäische Spätromantik immer vertracktere Partituren hervorbrachte, bewegen wir uns hier in einer urtypischen, mitunter gar archaischen Ästhetik – zumindest was die Melodik und Harmonik betrifft; für den damals studentischen Einsatz herrscht das Unisono-Spiel vor. Die Instrumentation jedoch ist mehrschichtig und beinhaltet beispielsweise ein breites Schlagwerk.

Der Anfang des 18. Jahrhunderts in Prag geborene Komponist Johann Baptist Georg Neruda gehört gewiss nicht zu den bekanntesten Vertretern des Barock und der Vorklassik. Doch vor allem mit einem bei Blechbläsern bekannten Konzert machte er seinen Namen in Fachkreisen unsterblich: mit dem Trompetenkonzert Es-Dur des Jahres 1750. Allerdings beinhaltet schon dieser Titel eine kleine nachträgliche Verbiegung. Denn ursprünglich war das Soloinstrument ein Corno da caccia (Jagdhorn) – eine Vorgängerversion des heute gebräuchlichen Ventilhorns. Der junge Solist Noah Krüger wählte dieses Instrument nun anstelle der Trompete, um dem ursprünglichen Klang so nahe wie möglich zu kommen. Die Herausforderung ist nicht zu unterschätzen: Der Solopart bietet virtuose Hürden, und das Corno da caccia ist sogar noch schwerer zu spielen als eine Trompete. Keine Frage, wir haben es mit dem geschmeidigen Musterbeispiel eines barocken bzw. vorklassischen Solistenkonzerts zu tun, das sich mit vielen anderen Exemplaren dieser Gattung messen kann.

Mit dem hübschen Frühlingslied, wieder aus der Feder Jean Sibelius‘, startet die zweite Konzerthälfte. Wie ein duftendes Lüftchen über eine Wiese ziehend schwebt die Melodie durch die Partitur, bis gewichtige Blechbläserklänge ein Gewitter andeuten. Doch keine Sorge: Die Natur bleibt intakt und dankt für den Regen. Insgesamt wagt Sibelius hier harmonisch mehr als in der Karelia-Suite – überraschend, da die Entstehungszeit nahezu gleich ist.

Ludwig van Beethoven beobachtete die Umwälzungen seiner Zeit mit heftigster Leidenschaft. Er übersetzte das Geschehen in Musik und war getrieben von der Erkenntnis, dass alte Antworten nicht mehr auf neue Fragen passen. Was geschieht, wenn Musik aus sich selbst heraus in eine Krise gerät, hören wir in seiner 1811/1812 entstandenen achten Symphonie. Bevor er seine grundstürzende Neunte zu Papier brachte, ließ er die an Traditionen so reiche Gattung in seiner Achten noch einmal mutwillig gegen die Wand fahren. Er präsentierte eine Symphonie, deren Bestandteile so sehr auf die Spitze getrieben werden, dass man sie wahlweise als Höhepunkt des gesamten symphonischen Schaffens oder eher als Parodie desselben verstehen konnte. Wie auch immer – das Ergebnis steckt so voller Humor, wilder Ausgelassenheit und frecher Missachtung des Hergebrachten, dass es eine Freude ist. Und das, obwohl Beethoven bekanntlich nur noch innerlich hörte …

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